Kultwagen – Von der Nordsee bis zum Mittelmeeer, Sonderaustellung 2012
Sonderausstellung des Landesmuseums Kärnten vom 1. April bis 31. Oktober 2012 im Rundbau in der Keltenwelt Frög-RoseggGestaltung: Univ.-doz. Dr. Paul Gleirscher, Landesmuseum Kärnten
Wagenbauer: Gert Albrecht, Judenburg
Die ältesten Räder in Mitteleuropa sind rund 5500 Jahre alt (Kupferzeit). Es sind Vollholzräder aus drei Teilen, die mittels Leisten zusammengehalten wurden. Ihr Durchmesser lag zwischen 65 und 90 cm, die Spurweite der Karren zwischen 1 m und 1,3 m. Deren Ladekapazität wird auf bis zu 250 kg geschätzt. Es handelt sich um Transportwagen für den Nahverkehr, wofür man stellenweise auch Wege festigte. Als Zugtiere dienten in Mitteleuropa zunächst Rinder (Ochsen).
Weil sich Wasservögel sowohl am Festland wie auch im Wasser und in der Luft bewegen können, schienen sie in besonderer Weise als Mittler zwischen den Menschen und himmlischen Mächten (Numina) prädestiniert. Spiralen, konzentrische Scheiben und Speichenräder gelten in vielen Kulturen als Sonnensymbol. Aus der Verbindung von Wasservogel und Sonnensymbol entstand vor rund 3500 Jahren zum einen das Bild der Vogel-Sonnen-Barke, des von Wasservögeln, wohl Schwänen, über den Himmel gezogenen Sonnenschiffes. Dieses gilt als Heilszeichen für die lebensspendende Wirkung von Sonne und Wasser.
Zum anderen entstand das Bild des Kesselwagens. Dabei handelt es sich um symmetrisch konzipierte, von Tieren gezogene Miniaturwagen mit aufgesetzten Gefäßen, die sich anstelle des Sonnensymbols finden. Deren symmetrische Gestaltung führt zu einem gleichartigen Erscheinungsbild beim Fahren in beide Richtungen. Kesselwagen kennt man aus dem Raum zwischen Dänemark und dem Mittelmeer. Zumeist werden sie von vervielfachten Wasservögeln – wohl Schwänen – gezogen. Dadurch erscheinen sie als gottgesandte Gefährte, die den Menschen Regen oder ein göttliches Getränk brachten. Aus der älteren Eisenzeit kennt man neben vogelgestaltigen Wagen auch solche mit einer menschlichen Figur als Gefäßträger, wohl frühe Bilder von Fruchtbarkeitsgottheiten.