Der Heilige Hain der Noreia - Totenkult und Götterverehrung
Mitten im Hügelgräberfeld Frög wird der Brauch des Totenkultes inszeniert. Im Zentrum der Installation befindet sich die Göttin der Fruchtbarkeit - Noreia - erkennbar durch ihre mehrfache Schwangerschaft. Den Göttern wird durch den Umgang mit den Toten gehuldigt, der Tote selbst findet dadurch passende Aufnahme in das Leben nach dem Verscheiden.Die Wegführung durch das Hügelgräberfeld ist die passende Gelegenheit, sich dieser Szene zu nähern. Viele Besucher berichten von der Ehrfurcht, die sie dabei ergriffen hat. Ähnlich wie bei großen Bauwerken aus späterer Zeit ist die Annäherung an die zu besuchende Stätte ein wichtiger Teil der Wirkung auf den Betrachter. Verzichten Sie also bei Ihrem Besuch nicht auf diese wichtigen Bestandteile Ihrer Reise.
Im eisenzeitlichen Mitteleuropa gibt es verschiedene Hinweise auf die Existenz von weiblichen Muttergottheiten. Diese Gottheiten lassen sich im Grundtyp auf die Herrin der Tiere (griech.: potnia theron) zurückführen. Sie beherrschte die irdische Welt ebenso wie die Unterwelt, hatte Macht über Leben und Sterben, war zugleich Mutter- und Todesgöttin. Zu ihren Attributen zählen neben Tieren Schlüssel als Symbol für den Naturkreislauf, für die Macht über Leben (Geburt) und Tod (Unterwelt).
In Griechenland gingen aus ihr Artemis und Hekate hervor. Artemis wurde zur Herrin des Lebendigen, der Fruchtbarkeit und der Geburt, Hekate die Herrin der Unterwelt. Göttinnen vom Artemistyp sind als Mutter- bzw. Stammesgottheiten anzusehen, zuständig für Fruchtbarkeit, Heil und Jenseits. Sie wurden in vorrömischer Zeit, obwohl menschengestaltig, aus religiöser Scheu nicht mit einem Namen benannt und angerufen sondern mit charakterisierenden Beiworten (Epitheta), etwa im Sinne von Oh Du Segensspendende, Oh Du Heilende usw. Von den alten Venetern sind verschiedene Anrufeworte überliefert, wie sainat (= Heilende), regtia (vgl. rekt entspr. Rechte), pora (mit unklarer Bedeutung) oder vebelis (= Bezug zum Weben?). Bei den Rätern im Alttiroler Raum wurde eine derartige Göttin mit Raetia angerufen, im Kärntner und obersteirischen Raum mit Noreia; und beide wurden Namen gebend für die nachmalige römische Provinz. Letztere erhielt schließlich von orientalischen Bergbausklaven in römischen Diensten den Namen Isis.
Zeitgenössische Bilder ermöglichen ansatzweise einen Einblick in den Ablauf großer Stammesfeste während der Hallstattkultur im Ostalpenraum. Dabei ist zum einen von mannshohen Vogelstelen mit angehefteten Rinderköpfen (Bukranion) auszugehen, die den naturheiligen Ort begrenzten. Zum anderen darf die Existenz grobschlächtiger hölzerner Götterbilder abgenommen werden. Diese wurden zum Fest aufgestellt, bekleidet und mit Speise und Trank versorgt und angerufen.
In einem schillernden Bild von einem heiligen Hain der Kelten in der Nähe von Marseille heißt es u. a.: “Ein Hain in der Nähe war seit Menschengedenken nicht mehr angetastet worden. Seine verschlungenen Äste umfingen und verdunkelten den Luftraum und spendeten kühlen Schatten, denn die Sonnenstrahlen wurden hoch oben abgeschirmt. Hier werden Götter mit barbarischen Riten verehrt; auf den Altären schichtet man schauerliche Opfergaben auf, und jeder Baum ist schon von Menschenblut bespritzt. Hier fürchten sich die Vögel zu sitzen und die wilden Tiere zu lagern. Weder der Wind noch die aus schwarzen Wolken geschleuderten Blitze trafen je diesen Wald, und obwohl die Blätter keinem Lufthauch ausgesetzt sind, zittern die Bäume von innen her. Es fließt auch viel Wasser aus dunklen Quellen, und düstere, kunstlos geschnitzte Götterstatuen ragen unförmig aus den Strünken. Schon der Moder und die Blässe des verfaulenden Holzes ängstigen die Menschen. So groß wird die Furcht, wenn man die Götter, die man fürchtet, nicht kennt. Wenn die Sonne hoch am Himmel steht oder tiefe Nacht den Himmel verdunkelt, fürchtet sich der Priester, den Ort zu betreten, und scheut sich, den Herrn des Hains zu stören.“
Noreia Kultstätte